Igepha - The Austrian Self Care Association


Für eine gesunde
Zukunft

Was spricht für den Viagra-Switch?

Mehr Vorteile als Gefahren?

2018 feiert Viagra sein 20-Jahr-Jubiläum. Seit zwei Jahrzehnten hilft der Wirkstoff Sildenafil Männern dabei, ihre Erektionsprobleme zu bewältigen. In fast allen Ländern sind Viagra und seine generischen Varianten rezeptpflichtig – so auch in Australien, wo das Thema „Switch“ bei der Jahrestagung der World Self Medication Industry (WSMI) in Sydney im Oktober 2017 auf der Tagesordnung stand.

Unter anderem wurde dabei über den vereinfachten Zugang zu Viagra diskutiert. Dabei wurde die Situation in Neuseeland, wo Viagra und entsprechende Generika seit 2014 als OTC-Präparate erhältlich sind, jener in Australien gegenübergestellt wurde.

2014 wurde das Potenzmittel in Neuseeland zur Behandlung der erektilen Dysfunktion bei Männern im Alter zwischen 35 und 70 Jahren geswitcht. Viagra steht in den neuseeländischen Apotheken jedoch nicht zur freien Entnahme in den Regalen. Vielmehr müssen sich die Betroffenen vor Erhalt des Präparates mindestens einmal pro Jahr bei einem speziell ausgebildeten Pharmazeuten einer ausführlichen Beratung inklusive Blutdruckmessung unterziehen.

Dabei wird auch über die Risiken der Einnahme und mögliche Neben- und Wechselwirkungen gesprochen. Bei jedem weiteren Viagra-Kauf ist ebenfalls verpflichtend ein Gespräch mit dem Pharmazeuten zu führen. Dafür erhalten die Apotheker eine jährliche Beratungsgebühr und informieren, wenn der Patient einverstanden ist, den Arzt darüber, dass das Potenzmittel ausgehändigt wurde. Verkauft wird die volle 100 mg-Dosis in Packungen bis zu zwölf Stück.

In Ländern, in denen Viagra rezeptpflichtig ist, wählen bekanntlich dennoch nicht alle Betroffenen den Weg zum Arzt und dann in die Apotheke. Vielmehr beziehen zahlreiche Personen ihre Medikamente über das Internet – und gehen dabei beträchtliche Risiken ein.

Der Switch von Viagra machte die Männer in Neuseeland unabhängiger von Bestellungen im Internet. Die verpflichtende Beratung durch den Apotheker, dass medizinische oder psychologische Probleme im Zusammenhang mit der Viagra-Einnahme frühzeitig erkannt werden können.

Dr. Nathalie Gauld, Apothekerin in Neuseeland, hat in ihrem Heimatland viele Switches begleitet und die Folgen der Freistellung von der Rezeptpflicht wissenschaftlich verfolgt. Sie beobachtet seit den 1980er-Jahren weltweit einen Switch-Trend, der eine logische Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung darstelle: Die Menschen seien immer besser über Gesundheitsthemen informiert. Zugleich werde der Informationstransfer in der Apotheke vom Pharmazeuten zum Kunden optimiert.

In Neuseeland werde seit dem Viagra-Switch, so Dr. Gauld, das Potenzmittel geringfügig häufiger verwendet. Betroffene Männer beschreiben den vereinfachten Zugang zu Viagra als hilfreich. Einige Patienten erhielten eine Überweisung zum Arzt, weil der Check-up in der Apotheke bei ihnen gesundheitliche Probleme mit dem Herzen oder einen Hinweis auf Diabetes zutage brachte.

Laut Dr. Gauld suchen Männer lieber eine Apotheke auf – dies sei ihnen weniger peinlich als ein Arztbesuch. Außerdem erscheine vielen ihr Potenzproblem als zu trivial, um damit den Hausarzt zu behelligen. Anstatt im Internet zu bestellen, wo es keine Beratung geboten wird, suchen viele Männer die Apotheke auf, wo sie ein Gespräch mit dem Pharmazeuten führen können. Dadurch begeben sie sich früher in die Hände eines Gesundheitsprofis und erhalten nach Bedarf die erforderliche Unterstützung.

In Polen ist das Viagra-Generikum MaxOn mit dem Wirkstoff Sildenafil rezeptfrei erhältlich, in Großbritannien will Pfizer ab dem Frühjahr 2018 die nicht-rezeptpflichtige Variante Viagra Connect in Apotheken vertreiben.

Auch wenn Switches mit Risiken verbunden sein können, ermögliche die Freistellung von der Rezeptpflicht unter Einbeziehung der Apotheker eine Entlastung von praktischen Ärzten und Spitalsambulanzen, so Dr. Gauld. In Neuseeland dürfen Apotheker beispielsweise auch Antibiotika gegen Blasenentzündung an Frauen im Alter von 16 bis 65 Jahren abgeben. Diese benötigten das Medikament üblicherweise dringend und seien sehr froh über die rasche Linderung ihres Leidens.

Bei der WSMI-Konferenz in Sydney verwies ein pensionierter praktischer Arzt darauf, dass Zulassungsbehörden normalerweise risikoscheu seien. Während jedoch Zulassungsbehörden in Australien darauf bedacht seien, Risiken zu vermeiden, liege der Fokus in Neuseeland darauf, Risiken zu managen.