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Warum mehr Self Care mehr Wohlstand bedeutet

Über das Gesundheitssystem und seine Kapazitätsgrenzen wird viel diskutiert. Kaum jemand spricht jedoch über einen Aspekt, der rasch, unkompliziert und nachhaltig eine Entlastung bewirken kann. Mehr Self Care mit rezeptfreien Arzneimitteln macht uns zugleich gesünder und stärkt die Wirtschaft.

Darauf weist eine aktuelle Publikation unseres Schwesternverbandes PAGB in Großbritannien hin. Die Kernaussagen lauten:

  • Die Consumer Health Care Industrie wächst – in UK von 2023 auf 2024 um 8% – und wird Prognosen zufolge in den nächsten fünf Jahren weiter wachsen.
  • Rascher gesund oder gar nicht krank zu werden, stärkt die Wirtschaft. Wer in UK wegen Krankheit am Arbeitsplatz ausfällt, zahlt pro Jahr um 5.000 Pfund weniger Steuern.
  • Selbstmedikation mit rezeptfreien Arzneimitteln hilft dem Staat beim Sparen. Würden alle selbst behandelbaren Krankheiten mit Hilfe von OTC-Produkten und Unterstützung von Apotheken behandelt, so könnten sich das britische Gesundheitssystem zusätzlich 1,7 Milliarden Pfund sparen. Zugleich würden 350 Millionen Pfund an Produktionsverlusten vermieden werden.

Die britische Consumer Health Care Interessenvertretung plädiert für Innovation durch Re-Klassifizierung. Positive Beispiele sind die bereits durchgeführten Switches von Ibuprofen, Loperamid und Sildenafil, die in Großbritannien zum Teil seit Jahren rezeptfrei verfügbar sind. Daraus ergaben sich geringere Verschreibungskosten und messbare Einsparungen für das Gesundheitssystem.

Tipp: Kürzlich habe ich über eine aktuelle Studie zum Switch von Arzneimitteln zur Behandlung von erektiler Dysfunktion geschrieben: https://igepha.at/newsartikel/studie-was-rezeptfreie-potenzmittel-fuer-die-maennergesundheit-bringen/

Und wie sieht die Situation in Österreich aus?

Abgesehen davon, dass Viagra & Co. in Österreich rezeptpflichtig sind, bietet der OTC-Sektor auch hierzulande ein enormes Potenzial, um Gesundheitskosten zu senken, die Produktivität zu steigern und die Innovation zu fördern.

Gerne verweise ich in diesem Zusammenhang auf die aussagekräftige Studie von May & Bauer (2022), deren Ergebnisse für Österreich sogar noch stärkere Effekte als in Großbritannien erwarten lassen.

Bereits im Status quo werden durch Self Care in Österreich jährlich…

  • 717 Millionen Euro bei der Krankenversicherung eingespart,
  • 359 Millionen Euro an volkswirtschaftlichen Produktivitätsverlusten vermieden,
  • rund 5,5 Millionen Arztstunden freigesetzt – das entspricht 2.700 Vollzeit-Ärzt:innen.

Pro Einzelfall spart Selbstmedikation:

  • ca. 25 Euro bei der Sozialversicherung,
  • rund 74 Minuten Patientenzeit,
  • 11,5 Minuten ärztliche Arbeitszeit.

Tipp: Lesen Sie auch meinen Blogbeitrag zu den Studienergebnissen von Uwe May und Cosima Bauer: https://igepha.at/newsartikel/der-hohe-nutzen-der-self-care/)

OTC: Keine Bagatelle, sondern ein relevanter Effizienzfaktor

In Österreich werden derzeit 28,6 Millionen Arztkontakte durch Selbstmedikation vermieden. Im europäischen Vergleich hat Österreich bei der Verfügbarkeit und Nutzung von rezeptfreien Arzneimitteln noch Aufholbedarf, zugleich werden bei den Arztkontakten pro Kopf Spitzenwerte erzielt.

Werden die Potenziale der Self Care mit Hilfe von rezeptfreien Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten konsequent ausgeschöpft, so könnte das die Primärversorgung noch spürbarer entlasten, als es derzeit der Fall ist.

Hohe Relevanz hat dabei die Re-Klassifizierung von Arzneimitteln, wie sie auch vom PAGB für Großbritannien gefordert wird. Stehen mehr Arzneimittelwirkstoffe rezeptfrei zur Verfügung, so erhalten Betroffene rascher Zugang zu wirksamen Therapien. Sie sind schneller wieder am Arbeitsplatz aktiv, stärken dadurch die Wirtschaft, zahlen in den Steuertopf ein und entlasten das Gesundheitssystem.

Nicht zu vernachlässigen sind Innovationsimpulse, die sich aus einem Self Care-freundlichen Klima ergeben. Anreize für die Entwicklung moderner OTC-Produkte – auch durch ein förderliches regulatives Umfeld – stoßen Innovation im Life-Sciences-Bereich an, wodurch sich wieder Vorteile für den gesamtwirtschaftliche Aufschwung ergeben.

Eine aktive OTC- und Re-Klassifizierungspolitik ist daher aus Sicht der IGEPHA nicht optional, sondern ein zentraler Hebel für Effizienz, Versorgungssicherheit und volkswirtschaftliche Produktivität.

Tipp: PAGB-Report „The economic and growth value of the OTC-Sector”: https://www.pagb.co.uk/content/uploads/2026/01/The-economic-and-growth-value-of-the-OTC-sector-report_.pdf