Igepha - The Austrian Self Care Association


Für eine gesunde
Zukunft

Vertrauen wecken, Risikokompetenz stärken – AESGP-Jahrestagung 2019

Über welche Pfade gleitet die Self Care-Industrie in eine erfolgreiche Zukunft? Bei der AESGP-Jahrestagung 2019 wurden vor allem Nachhaltigkeit, Transparenz und ein neues Verständnis von Risiken als entscheidende Kriterien identifiziert.

Auf der „grünen Welle“ reiten
Eine „grüne Welle“ überflute Europa und ordne die politische Landschaft neu, meinte AESGP-Generaldirektorin Jurate Svarcaite bei der AESGP-Jahrestagung, die von 4. bis 6. Juni 2019 in Genf stattfand. Die Klimawandel-Proteste der Jugend, die Wahlerfolge der Grünen, aber auch diejenigen der politisch weit rechts oder links stehenden Parteien werden sich auch auf die Self Care-Industrie auswirken. Davon ist die AESGP-Chefin überzeugt.

Wie lässt sich Self Care optimal in dieser im Wandel begriffenen Gesellschaft platzieren? Wie gewinnt man das Vertrauen der kritischen jungen Generation, wie überzeugt man die Golden Ager von der enormen Wichtigkeit eines verantwortungsvollen Gesundheitsmanagements? Und wie motiviert man die Bürger insgesamt zu einer gesunden Risikobereitschaft?

Die Self Care-Industrie kann, wenn sie sich strategisch richtig platziert, die Weiterentwicklung der Gesellschaft äußerst positiv beeinflussen. Eine zentrale Rolle sollte dabei ein effizienter Umgang mit Risiken spielen.

Das war auch der Grundtenor der diesjährigen AESGP-Jahrestagung in Genf. In Zukunft werde es entscheidend sein, wie Menschen Risiken einschätzen, mit Risiken leben und auf Basis einer vernünftigen Risikoanalyse Entscheidungen treffen, die für sie positiv sind. Dazu wird es erforderlich sein, die Menschen in ihrer Risikokompetenz zu stärken, sie zu befähigen, resilient und selbstbewusst mit Herausforderungen umzugehen, und evidenzbasiert nach innovativen Lösungen zu suchen.

In einem überregulierten, übervorsichtigen Umfeld gehe jegliches Interesse am Fortschritt verloren, warnte Robert Madelin, der Vorsitzende des EU-weit tätigen Beratungsunternehmens Fipra. Anstatt die Menschen vor möglichen Gefahren zu schützen, sollte man sie vielmehr dazu ermuntern, Risiken zu erkennen, zu bewerten und als Teil des Lebens zu akzeptieren.

Auch die (Self Care-) Industrie müsse ihre Risikokompetenz stärken, empfiehlt Madelin. Ein selbstbewusster Umgang mit dem Risiko sei entscheidend für Wachstum und Innovation; ohne Risikokompetenz drohe Europa generell seine Führungsrolle in der Weltwirtschaft zu verlieren.

Vertrauen wecken durch größtmögliche Transparenz
In Zeiten von Fake-News und schwindender Vertrauenswerte für Politik und Medien stellt sich die Frage, welche Institutionen überhaupt noch als vertrauenswürdig wahrgenommen werden. Das aktuelle Edelman Trust Barometer gibt eine Richtung vor. Laut den Zahlen für 2019 wächst das Vertrauen in die Wirtschaft, die Erwartungen an die Entscheidungsträger in den Unternehmen sind hoch. Weltweit wünschen sich 76 % der für das Trust Barometer befragten Menschen, dass CEOs bei der Veränderung aktiv die Führung übernehmen anstatt darauf zu warten, dass die Regierungen aktiv werden.

Von diesem Trend kann selbstverständlich auch die Self Care-Industrie profitieren. Dazu müsste es gelingen, die eigenen Wertekataloge den Vorstellungen der Bevölkerung anzupassen, das Bekenntnis zur Transparenz mit Leben zu erfüllen und Nachhaltigkeit als fixen Bestandteil in Business-Strategien zu integrieren.

Speziell was die Transparenz betrifft, gebe es noch viel zu tun, war bei der AESGP-Jahrestagung zu hören. Will ein Unternehmen als transparent wahrgenommen werden, so dürfe nicht bei der Veröffentlichung des Geschäftsberichts und der Umsatzzahlen Schluss sein. Auch werbewirksame Aktionen zur Stärkung der Corporate Social Responsibility allein machten ein Unternehmen noch nicht glaubwürdig und authentisch. In Zukunft werde es vielmehr darum gehen, Konsumenten direkt in die Unternehmenskommunikation einzubinden und sie an der Weiterentwicklung von Produkten und Serviceleistungen teilhaben zu lassen.

Mit Nachhaltigkeit punkten
Self Care ist generell ein nachhaltiges, in die Zukunft gerichtetes Konzept. Da liegt es nahe, Nachhaltigkeit als hoch bewertetes Kriterium in Unternehmensentscheidungen einzubinden.

Ein vorbildliches Konzept hat diesbezüglich das Recyclingunternehmen TerraCycle entwickelt: Im Frühjahr 2019 startete TerraCycle mit dem Projekt „Loop“ in New York und Paris eine Pilotphase für eine Zero-Waste-Einkaufsplattform. Loop liefert den Kunden Produkte in Mehrwegverpackungen direkt nach Hause. Ist die Verpackung leer, so wird sie wieder abgeholt, gereinigt und wiederverwendet oder recycelt.

An diesem Projekt wirken auch Konsumgüterkonzerne wie Procter & Gamble, Nestlé und Beiersdorf mit.

Wie stupst man zur Self Care an?
„Nudging“ – das englische Wort für „anstupsen“ – steht für ambitionierte Bestrebungen, Menschen zu Entscheidungen zu motivieren, die sowohl für sie selbst als auch für die Gesellschaft als Ganzes vorteilhaft sind.

Smarte Modelle aus der Verhaltensforschung können dazu einen wertvollen Beitrag leisten, z. B. das Konzept „EAST“ – ein Akronym, das für die Begriffe „Easy, Attractive, Social und Timely“ steht. Die Idee dahinter: Leicht verständliche Self Care-Produkte und Erklärungsmodelle, die unkomplizierte, geradezu selbstverständliche Lösungen für alltägliche Gesundheitsanliegen bieten, erleichtern den Menschen den Alltag und beleben den wirtschaftlichen Erfolg des Herstellers. Die Kunst wird künftig darin bestehen, Produkte zu entwickeln, die geeignet sind, die Menschen gesünder zu machen, ohne dass sie dafür ihr Leben radikal ändern müssen.

Alles in allem wird es für die Self Care-Industrie nicht nur darum gehen, mit einem atemberaubenden Wandel Schritt zu halten. Wollen die Hersteller weiterhin ein maßgeblicher Player in der Self Care-Landschaft sein, so sind sie gefordert, selbst Tempo zu machen, Akzente zu setzen und in Bezug auf Vertrauenswürdigkeit und Nachhaltigkeit innovative Wege zu beschreiten.