59% der Pharmazeut:innen berichten im Better Health Report 2026, dass mehr Konsument:innen um ihren Rat fragen als noch vor fünf Jahren. Self Care-Tipps von der KI werden in der Apotheke häufig hinterfragt.
In die europaweite Studie flossen die Ergebnisse von Interviews mit 500 Apotheker:innen aus Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und Spanien ein. Befragt wurden auch Marktexpert:innen und Mitglieder der AESGP, des europäischen Consumer Health Care Verbandes.
Einige Zahlen aus der Studie sind wirklich erstaunlich:
- 29% der Apotheker:innen erleben eine stärkere Nachfrage nach Beratung als vor fünf Jahren.
- 69% der Kund:innen folgen konkreten Self-Care-Empfehlungen in der Apotheke.
- 54% der Konsument:innen verwenden KI oder digitale Tools für Gesundheitsentscheidungen. Zugleich steigt der Orientierungsbedarf.
Vier von zehn Menschen fragen im Europa-Durchschnitt in der Apotheke nach Self Care-Empfehlungen. In Polen sind es 51%, in Frankreich 35%. Die stationäre Apotheke ist somit eine hochrelevante Anlaufstelle in Fragen zur Consumer Health Care.
In mehr als jedem zweiten Kundengespräch – konkret in 54% der Interaktionen – empfiehlt der Apotheker oder die Apothekerin ein spezifisches Produkt. Und 69% der Konsument:innen folgen dieser Empfehlung.
Das zeigt, wie hoch das Vertrauen der Menschen in die Kompetenz der Apotheker:innen und wie wichtig deren Rolle bei der Stärkung der Self Care-Kompetenz der Verbraucher:innen ist.
Besonders hoch ist die Empfehlungsquote in unserem Nachbarland Deutschland: Hier empfehlen Pharmazeut:innen in 59% der Kundengespräche ein Produkt, 71% der Konsument:innen folgen dieser Empfehlung – das sind enorm starke Zahlen.
Apotheke gewinnt an Bedeutung
Die Überlastung der europäischen Gesundheitssysteme mit langen Wartezeiten in Arztpraxen bringt aktuell eine Aufwertung der Apotheke als erste Anlaufstelle in vielen Gesundheitsfragen mit sich.
Auch der Better Health Report 2026 zeigt diese neue Positionierung der Apotheke ganz klar auf:
- Die Apotheke als Ort der proaktiven Gesundheitsvorsorge: Immer häufiger werden Apotheken zur Blutdruckkontrolle, für das Gewichtsmanagement oder auf der Suche nach Wellness-Tipps aufgesucht.
- Mehr Gesundheitsservices: Europaweit gibt es einen Trend zum Impfen in der Apotheke. In manchen Ländern hat die Apotheke die Befugnis bekommen, unter klaren Richtlinien rezeptpflichtige Arzneimittel abgeben zu dürfen, etwa Antibiotika.
- Alternative zum Hausarzt: Die Gesundheitssysteme lenken Konsument:innen mit leichten Beschwerden gezielt in die Apotheken.
- KI-Tipps werden hinterfragt: KI und Online-Suche sind im Gesundheitsalltag präsent – laut dem Better Health Report benützen 54% der Konsument:innen Online-Symptom-Checker, Gesundheits-Apps oder befragten ChatGPT. Vorinformiert kommen die Menschen in die Apotheke und holen sich dort die finale Empfehlung.
Self Care stärkt den Apotheken-Umsatz
Durchschnittlich 31% ihres Umsatzes erzielen die Apotheken in den untersuchten europäischen Märkten mit Consumer Health Care Produkten. In Österreich lag der Umsatzanteil der Consumer Health am gesamten Apothekenmarkt 2025 laut IQVIA bei 23%. Der Report lässt klar erkennen, dass die Tendenz in Richtung Steigerung dieses Anteils geht. Self Care entwickelt sich zu einem immer wichtigeren Wertschöpfungsbereich, mit dem Apotheken ihre Margen besser absichern können.
Was sich die Apotheken von den Herstellern wünschen
Der Better Health Report gibt auch Auskunft darüber, welchen Support Apotheker:innen von den Unternehmen erwarten, deren Produkte sie verkaufen. Höchste Priorität haben dabei die folgenden Aspekte:
- Klare Produktmerkmale, die den Kauf gegenüber Alternativen überzeugend begründen, wünschen sich besonders viele Apotheker:innen, vor allem jene aus Deutschland.
- Verkaufsorientierte Schulungen, die Kompetenzen im Cross- und Upselling sowie im Umgang mit Einwänden vermitteln, stehen auf der Wunschliste der Apotheke auf Position 2.
- Ein weiterer Wunsch betrifft Empfehlungstools, die dabei helfen, Produkte gezielt auf die Bedürfnisse der Verbraucher:innen abzustimmen und den Verkauf erfolgreich abzuschließen.
- Gefordert werden auch mehr Kampagnen zur Aktivierung der Nachfrage, die durch Rabatte und Produkt-Bundles die Kundenfrequenz und den Kauf fördern.
- Einen hohen Stellenwert hat die Sichtbarkeit von Self Care-Produkten in der Apotheke durch Displays und Point-of-Sale-Materialien, die die Kaufabschlussrate erhöhen.
Die Prognose geht nach oben
Mit Unterstützung der Hersteller glauben die europäischen Apotheker:innen im Consumer Health Care-Bereich ein Umsatzplus von durchschnittlich 10% innerhalb der nächsten drei Jahre erzielen zu können – in Deutschland wird sogar ein Plus von 13% erwartet, in Polen von 15%.
Aus meiner Sicht sind das optimale Rahmenbedingungen für die kontinuierliche Stärkung der Consumer Health Care in einem Gesundheitsmarkt, der vor der Herausforderung steht, die Gesundheitsbedürfnisse der Menschen optimal, zeit- und kostensparend zu erfüllen.
Better Health Report downloaden: https://www.simon-kucher.com/en/insights/better-health