Igepha - The Austrian Self Care Association


Für eine gesunde
Zukunft

Pille ohne Rezept – die WHO spricht Klartext

Nicole Kirchler

Nicole Kirchler

 11. September 2019

Die Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlichte kürzlich eine neue Empfehlung: Die Pille soll generell aus der Verschreibungspflicht entlassen werden.

Zugang zu sicherer Verhütung vereinfachen
In 35 von 147 Ländern dieser Welt sind orale Kontrazeptiva bereits jetzt völlig unkompliziert rezeptfrei erhältlich. In Österreich und vielen anderen Staaten dagegen müssen Frauen zunächst einen Arzt aufsuchen, um sich dieser sicheren Verhütungsmethode bedienen zu können. Jetzt setzt sich die WHO klar für die Entlassung der „Pille“ aus der Rezeptpflicht ein.

In einer heuer veröffentlichten Richtlinie empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Antibabypille als OTC-Präparat verfügbar zu machen. Mit dieser aktuellen Empfehlung wendet sich die WHO an national und international verantwortliche Politiker, Wissenschaftler, Angehörige der Gesundheitsberufe, Geldgeber und Organisationen der Zivilgesellschaft, die sich mit der Förderung der Self Care befassen. Die Inhalte der WHO-Guideline sprechen aber auch Produktentwickler an.

Diese Publikation der WHO widmet sich der Self Care im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte (SRHR). Insgesamt spricht die WHO darin 24 Empfehlungen aus, sechs davon sind neu.

Empfehlung Nr. 11 betrifft die Entlassung von oralen Kontrazeptiva aus der Verschreibungspflicht in allen Ländern, in denen die Antibabypille noch nicht bereits rezeptfrei verfügbar ist.

Die WHO weist darauf hin, dass weltweit rund 44 % der Schwangerschaften unbeabsichtigt eintreten. Die WHO spricht sich aus diesem Grund dafür aus, den Zugang zur Antibabypille zu erleichtern. Wären hormonelle Verhütungsmittel überall rezeptfrei verfügbar, so würden mehr Frauen davon Gebrauch machen und die Zahl der unerwünschten Schwangerschaften würde zurückgehen.

Die Global Self Care Federation (GSCF), wie die frühere World Self-Medication Industry seit einer heuer vorgenommenen Namensänderung heißt, begrüßte die Initiative der WHO. Sie spricht sich ebenfalls deutlich dafür aus, die Antibabypille rezeptfrei zu stellen. Dadurch verhelfe man Frauen zu mehr Entscheidungsfreiheit in Bezug auf ihre Gesundheit und ihre Lebensplanung.

Die GSCF wies außerdem darauf hin, dass sich durch einen Switch der „Pille“ Zeit und Ressourcen sparen ließen. Damit wäre dieser Schritt ein wichtiger Beitrag für die Entlastung des Gesundheitssystems.

Der Kritik konservativer Gruppen hält die Self Care-Dachorganisation entgegen, dass es seit dem Switch der Notfallkontrazeption EllaOne keine Hinweise auf eine höhere Risikobereitschaft im Sexualverhalten der Bevölkerung gebe. Die Apotheke als Anlaufstelle für die rezeptfreie „Pille“ gebe Sicherheit in Bezug auf kompetente Beratung zur Wahl des richtigen Präparats.

Laut einer WHO-Studie aus dem Jahr 2015, die in 147 Ländern durchgeführt wurde, sind orale Kontrazeptiva in 35 Ländern legal als OTC erhältlich. In weiteren 56 Ländern war die „Pille“ informell als OTC verfügbar. In 11 Ländern müssen Frauen zuerst an einem Screening in der Apotheke teilnehmen, das von speziell ausgebildeten Mitarbeitern durchgeführt wird, bevor sie das hormonelle Verhütungsmittel rezeptfrei erhalten. In 45 Ländern gab es 2015 die „Pille“ nur auf Rezept.

Allein die Tatsache, dass orale Kontrazeptiva bereits in vielen Ländern rezeptfrei erhältlich sind, würde einen Switch auch in den übrigen Ländern nahelegen. Die WHO zitiert aber noch zusätzlich vier Studien mit insgesamt mehr als 5.000 Teilnehmerinnen. Aus ihnen geht hervor, dass der Nutzen einer liberaleren Bereitstellung der „Pille“ mögliche Risiken bei Weitem überwiege.

young woman holding birth control pills