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Neues aus Norwegen – Viagra ab 2020 rezeptfrei

Nicole Kirchler

Nicole Kirchler

 11. September 2019

Der Viagra-Hersteller Pfizer nutzt eine neu geschaffene OTC-Kategorie, um das Potenzmittel Viagra in norwegischen Apotheken rezeptfrei anbieten zu können.

Viagra mit Beratung
Norwegen hat eine neue Kategorie für rezeptfreie Arzneimittel eingeführt: „verschreibungsfrei mit Beratung“ in der Apotheke. Als Erstes bislang rezeptpflichtiges Medikament soll nun Viagra (Sildenafil) im Rahmen dieser neuen OTC-Kategorie ab 2020 in Norwegen ohne ärztliches Rezept legal erhältlich sein.

Damit findet in Norwegen der zweite Switch des Pfizer-Blockbusters nach Großbritannien statt, wo Viagra 2017 rezeptfrei gestellt wurde. Pfizer kündigte an, dass Viagra zu Beginn des Jahres 2020 als OTC-Präparat in Norwegen angeboten werden soll, ein genaues Datum wurde nicht bekanntgegeben.

Der Name des verschreibungsfreien Mittels gegen erektile Dysfunktion wird „Viagra Reseptfri“ lauten. Verkauft werden Packungen mit maximal acht Tabletten zu je 50 mg Sildenafil. Zielgruppe sind Männer ab 18 Jahren mit Potenzproblemen. Sie müssen, um Viagra rezeptfrei kaufen zu können, zunächst ein Beratungsgespräch mit einem Pharmazeuten führen, wobei eine Checkliste ausgefüllt wird.

Das gilt im Übrigen auch für den Bezug von Viagra Reseptfri über Online-Apotheken: Kunden werden das Präparat auch bei legalen Anbietern im Internet bestellen können. Zuvor müssen sie jedoch die Fragen eines Leitfadens beantworten. Außerdem muss ihnen die Möglichkeit geboten werden, mit einem Pharmazeuten zu telefonieren.

Die pharmazeutische Beratung soll sicherstellen, dass der Kunde nicht an bestimmten Krankheiten leidet oder andere Arzneimittel einnimmt, die gegen die Einnahme von Viagra sprechen würden. Falls die erforderlichen Voraussetzungen für eine sichere Einnahme des Potenzmittels nicht erfüllt sind, muss der Apotheker den Kunden zum Arzt schicken.

Checkliste mit sieben Fragen
Die Checkliste für die Abgabe von Viagra enthält sieben Punkte. Wird auch nur eine einzige Frage mit „ja“ beantwortet, darf der Pharmazeut das Medikament nicht verkaufen. Gefragt wird unter anderem danach, ob der Kunde während der vergangenen sechs Monate einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hat oder bestimmte Medikamente einnimmt.

Der Pharmazeut muss dem Kunden empfehlen, sich innerhalb von sechs Monaten von einem Arzt untersuchen zu lassen, und darauf hinweisen, dass eine erektile Dysfunktion ein frühes Anzeichen auf ernste Gesundheitsprobleme sein könnte, wie beispielsweise Diabetes oder eine Herzkreislauf-Erkrankung.

Viagra zur Selbstbehandlung geeignet
Die norwegische Arzneimittelbehörde hat mit ihrer Maßnahme klargestellt, dass Sildenafil unter bestimmten Auflagen zur Selbstbehandlung geeignet ist. Die Entlassung aus der Rezeptpflicht wird auch als Beitrag im Kampf gegen den illegalen Online-Handel mit gefälschten Potenzmitteln betrachtet. Darüber hinaus hofft man, durch die rezeptfreie Abgabe Arztordinationen entlasten und die Fachkompetenz der Apotheker besser nutzen zu können.

Viagra wird übrigens in Norwegen weiterhin auch auf Rezept erhältlich sein. Für den Kunden hat das zwei Vorteile: Mit Rezept ist das Medikament natürlich für ihn günstiger als die rezeptfreie Version. Außerdem wird die Verschreibung automatisch in der Medikationsliste des Patienten erfasst, was bei der rezeptfreien Abgabe nicht der Fall ist. Kunden, die Viagra rezeptfrei erwerben, wird empfohlen, ihren behandelnden Arzt selbst über die Einnahme des Präparates zu informieren.

Möglicherweise folgen andere Hersteller dem Beispiel von Pfizer und stellen ebenfalls Switch-Anträge bei der norwegischen Arzneimittelbehörde. Abzuwarten bleibt auch, ob Pfizer den nunmehr zweiten erfolgreichen Viagra-Switch in Europa als Auftakt zu einer europaweiten Initiative für eine generelle Entlassung des Potenzmittels aus der Rezeptpflicht nutzt.