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Nachhaltigkeit in der OTC-Branche – ein komplexes Zusammenspiel von Verantwortung, Regulierung und Praxis

Nachhaltigkeit ist längst kein Randthema mehr, sondern ein zentraler Bestandteil verantwortungsvollen Wirtschaftens – auch in der Consumer Health Care Branche. Für Hersteller und Vertreiber von rezeptfreien Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten bedeutet sie, ökologische, soziale und ökonomische Aspekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette in Einklang zu bringen.

Mit der neu gegründeten IGEPHA-Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit schaffen wir eine Plattform, um die wachsende Zahl an Nachhaltigkeitsanforderungen gemeinsam zu bewerten, Chancen sichtbar zu machen und praxisorientierte Lösungen zu entwickeln.

Regulatorische Großbausteine im Überblick

Die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen werden zunehmend komplex und betreffen auch die OTC-Branche in vielfältiger Weise; nachfolgend ein Auszug aktueller Herausforderungen:

  • Packaging & Packaging Waste Regulation (PPWR) – bringt weitreichende Anforderungen an Design, Recyclingfähigkeit und Rezyklateinsatz von Verpackungen. Die Ausnahmeregelungen dieser horizontalen, branchenübergreifenden Gesetzgebung sind vielfältig und selbst für Juristen schwer verständlich. Ziel ist eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft mit weniger Verpackungsmüll.
  • EU-Deforestation Regulation (EUDR) – verpflichtet Unternehmen zur Kontrolle ihrer Lieferketten, um Entwaldung durch Rohstoffe oder Materialien zu verhindern. Auch Verpackungsbestandteile (Papier, Karton) und pflanzliche Inhaltsstoffe (z.B. Glycerin) können betroffen sein.
  • Urban Wastewater Treatment Directive (UWWTD) – führt die 4. Reinigungsstufe in kommunalen Abwasseranlagen finanziert über eine erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Arzneimittel und Kosmetika ein. Damit werden zwar alle Mikroschadstoffe unabhängig von ihrer Herkunft (Produktrückstände) im Abwasser eliminiert, stellt aber insbesondere Pharmafirmen vor enorme bürokratische und finanzielle Herausforderungen.
  • Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) – verpflichtet große und mittlere Unternehmen zur strukturierten Nachhaltigkeitsberichterstattung entlang der ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance). Auch Lieferantenbeziehungen und Produktverantwortung gewinnen dadurch an Bedeutung.
  • EU Green Claims Initiative – soll künftig sicherstellen, dass Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen („green claims“) wissenschaftlich belegt, transparent und vergleichbar sind. Das stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen in ihrer Nachhaltigkeitskommunikation.

Diese Beispiele zeigen: Nachhaltigkeit betrifft nicht nur Umweltmanagement, sondern reicht von Verpackungsdesign über Lieferketten und Abwasserreiningung bis hin zur Unternehmenskommunikation und Werbung. Zugleich sind die Nachhaltigkeitsthemen selbst äußerst vielfältig und durch unterschiedliche europäische und nationale Gesetzgebungen geregelt. Hinzu kommt, dass die OTC-Branche aus verschiedenen regulatorischen Produktgruppen – von Nahrungsergänzungsmitteln (Lebensmittelrecht) über Arzneimittel bis hin zu Medizinprodukten – besteht, die jeweils unterschiedlich von der Nachhaltigkeitsgesetzgebung betroffen sind. Diese Heterogenität erschwert eine einheitliche Vorgehensweise und erfordert differenzierte, produktgruppenspezifische Lösungen innerhalb der Branche.

Herausforderungen für die OTC-Branche

Die OTC-Branche steht vor einer Vielzahl an branchenspezifischen Herausforderungen:

  • Verpackung & Recycling: OTC-Produkte sind häufig kleinvolumig, kombiniert verpackt und in Blisterform – Designänderungen oder Reuse-Systeme sind technisch anspruchsvoll.
  • Lieferketten & Transparenz: Komplexe, internationale Lieferstrukturen erschweren die Nachverfolgbarkeit von Rohstoffen und Materialien im Sinne der EUDR.
  • Umweltwirkungen von Produkten: Arzneistoffe gelangen teils über das Abwasser in die Umwelt – die UWWTD stellt daher neue Anforderungen an Herstellerverantwortung.
  • Green Claims & Kommunikation: Nachhaltig zu handeln ist das eine – darüber glaubwürdig zu kommunizieren das andere. Fehlende Nachweise bergen das Risiko von Greenwashing-Vorwürfen.
  • Kosten & Wettbewerbsfähigkeit: Die Umsetzung neuer Nachhaltigkeitsstandards erfordert Investitionen, die insbesondere kleinere Unternehmen vor Herausforderungen stellen können.

Diese Themen machen deutlich, wie stark Nachhaltigkeit regulatorisch, operativ und kommunikativ ineinandergreift.

Die IGEPHA-Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit

Um diesen komplexen Anforderungen gemeinsam zu begegnen, hat IGEPHA die Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit ins Leben gerufen. Ziel ist es,

  • regulatorische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen,
  • praxisnahe Lösungsansätze zu erarbeiten,
  • den Austausch zwischen Mitgliedern und Stakeholdern zu fördern, und
  • Nachhaltigkeitsthemen in und außerhalb der Unternehmen sichtbar und verständlich zu machen.

Bei der Kick-off-Sitzung zeigte sich, wie vielfältig das Thema Nachhaltigkeit ist – von Verpackung und Umwelt bis zu Berichterstattung, Green Claims und Governance. Der offene Austausch der teilnehmenden Unternehmen bildet die Grundlage, um künftig konkrete Maßnahmen und Best Practices zu entwickeln.

Ausblick

Nachhaltigkeit bleibt ein Schlüsselthema für die Zukunft der Consumer Health Care Branche. Die IGEPHA-Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit wird als Forum dienen, um Wissen zu bündeln, Entwicklungen zu begleiten und gemeinsam tragfähige Lösungen für die OTC-Branche zu gestalten.

Wir danken allen Teilnehmer:innen der Auftaktsitzung für den engagierten Beitrag und freuen uns auf die kommende Zusammenarbeit!

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