Igepha - The Austrian Self Care Association


Für eine gesunde
Zukunft

Geballte Frauenpower – weibliche Doppelspitze der AESGP entwickelt Self Care weiter

Nicole Kirchler

Nicole Kirchler

 2. Mai 2019

Die Führung des Dachverbands der europäischen Self Care-Hersteller ist nun fest in weiblicher Hand. Wir haben Director General Jurate Svarcaite und Deputy Director General Maud Perrudin zum Interview gebeten.

Die neue Führung der AESGP im Interview
Im Juni 2018 traten Director General Jurate Svarcaite und Deputy Director General Maud Perrudin die Nachfolge von AESGP-Direktor Dr. Hubertus Cranz an. Wodurch zeichnet sich nun aber die Arbeit der neuen weiblichen Doppelspitze aus? Und wie geht es generell mit der Self Care in Europa weiter? Diese und weitere Fragen beantworten Jurate Svarcaite und Maud Perrudin im folgenden Interview.

IGEPHA: Seit fast einem Jahr sind Sie im Amt – unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht! Können Sie uns kurz schildern, wie die Aufgaben an der Spitze der AESGP zwischen Ihnen beiden aufgeteilt wurden? Wer ist wofür zuständig?
Jurate Svarcaite: Das stimmt, die Zeit ist tatsächlich wie im Fluge vergangen. Für uns war es ein sehr herausforderndes und zugleich äußerst produktives Jahr. Die ersten Monate haben wir der Entwicklung und der Präzisierung der AESGP-Strategie 2019–2022 gewidmet. Wir konnten viele AESGP-Mitgliedsorganisationen besuchen – auch die IGEPHA in Wien! – und haben mit den Teams in den Nationalstaaten über ihre Schwerpunkte und Erwartungen diskutiert. Die Ergebnisse dieser Gespräche sind wiederum in die AESGP-Strategie eingeflossen. Nachdem das Strategiekonzept im Oktober 2018 vom AESGP-Vorstand angenommen worden war, haben wir unsere Ideen dem gesamten AESGP-Team und allen Komitees präsentiert. Die sind jetzt mit der spezifischen Umsetzung befasst.
Maud Perrudin: Die gemeinsamen Reisen gaben uns Gelegenheit, uns sowohl auf persönlicher wie auch auf professioneller Ebene besser kennenzulernen. Mittlerweile sind wir ein perfekt eingespieltes Team. Die Aufgabenteilung hat sich automatisch ergeben und beruht auf unserem bisherigen beruflichen Background. Bei der Strategieentwicklung bin ich für den Bereich „Regulatory“ zuständig, Jurate bearbeitet die Bereiche „Gesundheitspolitik“ und „Wirtschaft“. Außerdem führt sie die laufenden Geschäfte der AESGP.

IGEPHA: Welche Herausforderungen galt es, in dieser Zeit zu bewältigen? Welches Thema hat die meiste Zeit in Anspruch genommen?
Maud Perrudin: Die meiste Zeit hat die Strategieentwicklung an sich in Anspruch genommen. Auch die Programmplanung für die AESGP-Regulatory-Konferenz am 20. März 2019 in Amsterdam war sehr zeitintensiv. In Fortsetzung des bewährten Konzeptes haben wir bei dieser Konferenz Behördenvertreter und Manager aus der Self Care-Industrie an einen Tisch gebracht. So konnten sie gemeinsam an Verbesserungsvorschlägen arbeiten. Anwesend waren auch jene Behördenvertreter, die für Medizinprodukte zuständig sind. Wir haben die Gelegenheit genutzt und die Standpunkte der AESGP zur neuen Medizinprodukteverordnung, aber auch zu den Themen „Switch“ und „Digitalisierung“ verdeutlicht.
Jurate Svarcaite: Viel Zeit nimmt auch die laufende Arbeit in Brüssel in Anspruch. Die AESGP ist einerseits eine Informationsdrehscheibe. Andererseits laufen hier die Fäden für die koordinierte Vertretung der Interessen der europäischen Self Care-Industrie im Zusammenhang mit regulatorischen und politischen Themen zusammen. Zu unseren Aufgaben zählt die Beantwortung von zahlreichen Anfragen verschiedener EU-Körperschaften in Bezug auf die von uns betreuten Produktkategorien. Außerdem besuchen wir Stakeholder-Meetings – teils als Teilnehmer, teils als Vortragende, stets jedoch als Repräsentantinnen der Industrie.

IGEPHA: Was hat Sie am meisten überrascht?
Jurate Svarcaite: Mich hat überrascht, dass das Engagement für die Industrie bisweilen tendenziell negativ wahrgenommen wird. Das war für mich neu, zumal ich vorher selbst für eine Standesvertretung, den europäischen Apothekerverband Pharmaceutical Group of the European Union (PGEU), tätig war. Ich bin nach wie vor derselbe Mensch, aber die Tatsache, dass ich jetzt für die Industrie arbeite, weckt in manchen Personen offenbar Misstrauen.
Maud Perrudin: Ich war sehr positiv von der Zustimmung und Unterstützung überrascht, mit der das gesamte AESGP-Team und die Mitglieder auf die zahlreichen Änderungen reagiert haben, die Jurate und ich während der vergangenen Monate umgesetzt haben – und das in einem ziemlichen Eiltempo. Das hat mein Vertrauen in die Flexibilität und Wandlungsfähigkeit der AESGP gestärkt. Ich bin überzeugt, dass wir bestens auf die Herausforderungen vorbereitet sind, die auf die Self Care-Industrie in Europa zukommen.

IGEPHA: Wie viele der 25 nationalen Self Care-Verbände haben Sie bereits besucht? In wie vielen EU-Mitgliedsstaaten waren Sie bereits?
Maud Perrudin: Seit letztem Juni waren wir als AESGP-Repräsentantinnen sicherlich in rund der Hälfte der EU-Mitgliedsstaaten. Wir sind jeder Einladung gern gefolgt und haben besonders unseren produktiven Besuch bei der IGEPHA im August 2018 genossen. Heuer laden wir uns selbst ein. Rund zehn nationale Interessenvertretungen stehen noch auf unserer Reiseliste, einige Treffen wurden bereits fixiert.

IGEPHA: Was fördert, was bremst Self Care in Europa?
Jurate Svarcaite: Self Care hat ein großes Potenzial! Häufig wird sie aber durch starre Rahmenbedingungen in den Gesundheitssystemen gebremst. Diese legen den Schwerpunkt immer noch auf die Betreuung kranker Menschen, anstatt alle Menschen zu ermutigen, sich selbst aktiv um ihren Gesundheitszustand zu kümmern. Health Literacy ist hier sicherlich eine Schlüsselkompetenz. Aber auch die Haltung von Medizinern und anderen Angehörigen der Gesundheitsfachberufe ist entscheidend. Traditionell sind wir Europäer daran gewöhnt, dass uns die Gesundheitsversorgung nichts kostet. So denken wir nur selten über den ökonomischen Fußabdruck des Gesundheitssystems nach oder über dessen Gesamtkapazität. Damit unsere Gesundheitssysteme die aktuellen Herausforderungen bewältigen können, müssen die Menschen aber nicht nur mehr Eigenverantwortung übernehmen, sondern auch für mehr Leistungen bezahlen als früher. Nur wenige Politiker sind in der Lage, diese Botschaft zu übermitteln.

IGEPHA: Was sind Ihre Ziele für das zweite Jahr Ihrer Tätigkeit für die AESGP?
Maud Perrudin & Jurate Svarcaite: Die Umsetzung der AESGP-Strategie nach einem festgelegten Aktionsplan, eine erfolgreiche Jahrestagung in Genf und natürlich weiterhin Top-Serviceleistungen für unsere Mitglieder!