„Mit großer Sorge“ betrachtet der Fiskalrat den Anstieg der Gesundheitsausgaben. Das Gremium lud zum Workshop ein und ruft dringend zur Reform auf.
Der Fiskalrat, ein unabhängiges Gremium, das die Einhaltung der Fiskalregeln überwacht, stellte eine entscheidende Frage, mit der wir uns 2025 auch in unseren IGEPHA-Publikationen befassten: „Wie bleibt unser Gesundheitssystem finanzierbar?“
Im September 2025 lud der Fiskalrat die wichtigsten Player im Gesundheitssystem zu einem Workshop ein. Gesundheitsministerium, Finanzministerium, Bundesländer, Gemeinden, Sozialversicherung und Ärztekammer diskutierten mit Gesundheitsexpert:innen aus ganz Österreich die bestehenden Probleme und mögliche Lösungsansätze.
Christoph Badelt, Präsident des Fiskalrates, stellte dringenden Handlungsbedarf fest: „Die vereinbarten Maßnahmen reichen nicht aus, um die Ausgabenquote zu stabilisieren. Eine Erhöhung der Kosteneffizienz u. a. durch Strukturreformen bzw. Strukturbereinigungen ist unumgänglich.“
Welche Kur braucht unser Gesundheitssystem? Hier sind die wichtigsten Ergebnisse des Fiskalrat-Workshops…
DIE SYMPTOME
Die Gesellschaft altert und das strapaziert unser Gesundheitssystem gleich dreifach: Ältere Menschen nehmen das Gesundheitssystem öfter in Anspruch, die Kosten pro Patient:in steigen, zugleich sinkt die Zahl der Beitragszahler:innen.
40% des erwarteten Anstiegs der Gesundheitsausgaben bis 2070 seien, so der Fiskalrat, rein auf die demografische Änderung der Bevölkerungsstruktur zurückzuführen.
Immer mehr Menschen leiden an chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen. Die Notfallambulanzen sind überfüllt, Wartezeiten und Wartelisten können den Zugang zu medizinisch notwendigen Behandlungen verzögern.
Bei den gesunden Lebensjahren steht Österreich nicht gut da: Bei der Geburt sind in Österreich 60,9 gesunde Lebensjahre zu erwarten, der EU-Schnitt liegt bei 62,6 Jahren.
DIE DIAGNOSE
Unser Gesundheitssystem leidet an strukturellen Schwächen: Die Zuständigkeiten sind fragmentiert, die Patient:innensteuerung oft unklar, die Kosten steigen, zugleich fehlt es an Effizienz.
Die Versorgung ist stark krankenhauszentriert. Österreich leistet sich pro 1.000 Einwohner:innen 6,8 Betten und 209 stationäre Aufenthalte pro Jahr. Beides liegt weit über dem europäischen Durchschnitt.
Sechs bis acht Tage lang verweilt man im Spital, das ist ressourcenintensiv und doch fehlt es an Integration der Leistungen von Spital und niedergelassenem Bereich, wie beim Workshop bemängelt wurde.
14 e-Card-Steckungen pro Person und Jahr werden verzeichnet, das zeigt, wie hoch die Zahl der Arztkontakte ist. „Viele davon entstehen ohne medizinische Notwendigkeit, etwa für Krankenstandsbestätigungen oder Rezeptverlängerungen“, stellte man beim Fiskal-Workshop fest.
Der Fiskalrat sagt, dass Österreich viel Geld für stationäre Versorgung ausgibt, Primärversorgung und Prävention sind jedoch unterdotiert. Der Workshop-Bericht bringt es auf den Punkt: „Der Ressourceneinsatz ist überdurchschnittlich, die Outcomes jedoch oft nur durchschnittlich.“ Länder mit stärkerer ambulanter Versorgung würden bei gleichen Kosten bessere Ergebnisse erzielen.
DIE THERAPIE
Die Zielvorgaben für die Neugestaltung des Gesundheitssystems sind aus Sicht des Fiskalrats klar: Finanzierung vereinfachen, Verantwortlichkeiten klarer verteilen, Reformanreize setzen, Ausgaben effizienter steuern.
Für den Weg der Zielerreichung setzt der Fiskalrat neben mehreren anderen organisatorischen Maßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen auch klare Impulse zur Stärkung der Eigenverantwortung und der Prävention. So werden beispielsweise „sozial verträgliche, aber spürbare Eigenbeteiligungen zur Zurückhaltung bei Bagatellfällen (z. B. Zeckenbiss, Erkältung)“ vorgeschlagen.
„Digital vor ambulant vor stationär“ soll als Leitprinzip für die Patient:innenströme und den Versorgungspfad gelten. Der „Best Point of Care“ soll klar definiert werden. Der Hotline 1450 kommt dabei als Steuerungsinstrument eine zentrale Rolle zu. Alle Gesundheitsanbieter, vom Spital bis zur Apotheke, sollen restriktionsfrei zusammenarbeiten. Steuerungsanreize sollen sicherstellen, dass die Behandlung auf der niedrigsten möglichen Versorgungsstufe abgeschlossen wird.
Die Gesundheitskompetenz soll gestärkt werden, die Patient:innen sollen dabei digital unterstützt werden und Informationsangebote zur Orientierung im System erhalten.
Der Prävention und Gesundheitsförderung wird in den Workshop-Ergebnissen ein eigenes Kapitel gewidmet. Ziel der Verbesserungen ist hier eine Erhöhung der Zahl der gesunden Lebensjahre. Prävention soll als „Kernstrategie“ gestärkt werden.
Die Eigenverantwortung erhält einen hohen Stellenwert – hier liegt der Fokus auf der Stärkung der Gesundheitskompetenz und – wie schon erwähnt – auf Eigenbeteiligungen für Bagatellfälle.
Fazit aus Sicht der IGEPHA
Der vom Fiskalrat organisierte Workshop macht Hoffnung, dass Schritte in Richtung der Stärkung der Eigenverantwortung und der Gesundheitskompetenz gesetzt werden. Wir von der IGEPHA haben bereits klar analysiert, welchen positiven gesundheitsökonomischen Effekt die Stärkung der Self Care, der Selbstbehandlung und der Selbstmedikation haben kann.
Zahlen, Daten und Fakten dazu finden Sie in unserer News-Serie 2025:
Warum wir jetzt mehr Self Care brauchen
Was mehr Self Care aus der Apotheke bewirken kann
Wie wir die Rolle der Self Care im Gesundheitssystem aufwerten
Wir von der IGEPHA stehen mit unserer Expertise bereit, um einen Beitrag zur erfolgreichen Therapie unseres Gesundheitssystems zu leisten. Machen wir gemeinsam entscheidende Schritte voran!