Igepha - The Austrian Self Care Association


Für eine gesunde
Zukunft

Artificial Intelligence in der Healthcare – ein Interview mit Julia Kühweidner (point of origin)

Mit dem Thema „Artificial Intelligence“ hat jeder schon in irgendeiner Weise zu tun gehabt. Anwendungsgebiete für selbstlernende Algorithmen gibt es auch in Sachen Gesundheit, wie die Expertin Julia Kühweidner von point of origin berichtet.

 

Selbstlernende Algorithmen werden in einer Vielzahl eingesetzt – doch was steckt dahinter?

Naja, zum einen der Trend, dass Patienten sich gerne ab sofort selbst therapieren wollen. Das ist nichts Neues (siehe Dr. Google), es tritt jetzt nur aktiv immer weiter ein. Da springen bekannte Tech-Player natürlich gerne auf den Zug auf und setzen ihre Technologien für medizinische Zwecke ein.

Die Doctors Journey wird somit zur Patient Journey. Normale Fitness-Tracker werden abgelöst durch umfangreiche Screening-Apps und Wearables, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben, als unsere Vitalzeichen aufzuzeichnen und zu interpretieren.

Das ist das Stichwort: AI im Gesundheitsbereich zeichnet sich dadurch aus, dass die gesammelten Daten automatisch und in Echtzeit sinnvoll analysiert werden. Gibt es Unregelmäßigkeiten, schreit die AI gleich auf und meldet uns das.

Das bringt mich zum nächsten Thema: der steigenden Anzahl an chronisch-erkrankten Personen. Diabetes, Herzleiden und leider auch Krebs (sowie noch viele andere Krankheiten) stehen auf der Tagesordnung. Einstweilen konzentriert sich die Gesundheitsindustrie in der Forschung und Entwicklung eher auf diese Fälle. Für den Alltag haben wir Apple, Google und Co.

Es gilt, das Leben der Patienten signifikant zu erleichtern. Sei es bei laufenden Therapien oder Früherkennung. AI schafft hier viel Abhilfe, erleichtert die Arbeit der Ärzte und reduziert schlussendlich auch Kosten (damit meine ich natürlich nicht Personalabbau, sondern Reduzierung von unnötigen Krankenhaus-/Ordinationsbesuchen, die Personal aufhalten, die wiederrum Geld kosten etc.).

 

Was ist denn schon alles an Technologie da und was wird noch kommen?

Medizinische Versorgung (besonders in der Diagnose) sollte am besten mobil und überall einsetzbar sein. Wir brauchen hier auch keine Annahmen treffen. Eine finnische Universität hat in einem Projekt gemeinsam mit Sony eine App für das Xperia-Modell entwickelt, welche Vorhofflimmern erkennen kann. Die Genauigkeit ist erstaunlich: Die Sensibilität lag bei 95,3 % – bei der Detektion des Sinusrhythmus sogar bei 96 %. Weiters resultierte eine Kürzung der Messungsdauer auf eine Minute in keinerlei Abweichungen bei der Genauigkeit der Ergebnisse.

Ich habe schon erwähnt, dass AI eventuell bei Medikamentenstudien zum Einsatz kommen kann. Das geschieht eigentlich auch schon. Die Diagnose Krebs ist immer ein Schicksalsschlag und wir haben das Problem, dass zu wenige Medikamente am Markt sind. Die Entwicklung dauert extrem lange und bis dahin ist den Patienten nicht geholfen. Turbine.ai hat sich darauf spezialisiert, Krebszellen mittels AI zu simulieren und auch zu individualisieren. So ist es möglich, alle potenziellen Entwicklungen der Krebszellen vorab durch das selbstlernende System auszutesten und eine passende Therapie zu entwickeln.

Die Arbeit in Krankenhäusern (besonders bei der Diagnose) kann ebenfalls erleichtert werden. AI erkennt minimale Veränderungen, die auf den ersten Blick gar nicht auffallen würden, und zeigt diese auf. Nehmen wir qure.ai her. Deren Spezialgebiet sind Röntgenaufnahmen. Mittels unterschiedlicher AI – für Brust-Röntgen, Kopf-CT und generelle CT/MRT-Aufnahmen – werden minimale Anomalien erkannt und ein automatisierter Report für das medizinische Personal bereitgestellt.

 

Geht es nicht etwas einfacher?

Natürlich gibt es auch „einfachere“ Beispiele, die schneller umgesetzt werden können und trotzdem den Menschen einen Mehrwert bieten. Das beste Beispiel sind natürlich Chatbots (entweder als App oder integriert in eine Plattform wie z. B. Facebook).

Babylon Health hilft Patienten, Symptome zu erkennen, und gibt eine Erstdiagnose ab. Weiters ist es möglich, Rezepte zur Haustür, ins Büro oder zur nächsten Apotheke liefern zu lassen. Dahinter steckt ein Netzwerk von Ärzten und Experten, die den Chatbot mit unzähligen Informationen gefüttert haben.

Die AI passt sich ebenfalls der „Sprache“ der User an, was die Kommunikation individualisiert und deutlich vereinfacht. Weiters ist es auch möglich, 24/7 einen Arzt über die App zu konsultieren.

Florence, ebenfalls ein Chatbot, funktioniert ähnlich wie Babylon Health. Zusätzlich hat Florence eine Erinnerungsfunktion für die Medikamenteneinnahme und einen Gesundheitstracker dabei. Integriert ist sie im Facebook-Messenger, Skye und Kik.

 

Wie geht es jetzt weiter?

Es gibt noch unzählige weitere Beispiele – alleine zu den Forschungen der Tech-Player könnte man Bücher verfassen. Wichtig ist, dass Sie sich klar werden, dass AI immer weiter fortschreiten wird. Das betrifft mit 100%-iger Wahrscheinlichkeit auch Ihr Unternehmen (egal in welcher Branche Sie tätig sind). Überlegen Sie sich in Ihrer Funktion und Ihrem Geschäftsbereich, inwiefern sich Artificial Intelligence in Ihren Arbeitsalltag integrieren lässt – sei es ein firmeninterner Chatbot zur Regelung von Arbeitszeiten und Urlauben bis hin zu einem kundenorientierten Modell, welches zur Forschung oder auch als direkter Benefit für Ihre Kunden dienen kann.

Der Technologie sind wahrlich kaum mehr Grenzen gesetzt – bilden Sie sich selbst weiter und recherchieren Sie von Zeit zu Zeit interessante Start-Ups und Organisationen, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen.

 

Quellen:
http://circ.ahajournals.org/content/early/2018/03/05/CIRCULATIONAHA.117.032804
http://turbine.ai/
http://qure.ai
https://www.babylonhealth.com/
https://www.florence.chat/

Autorin:
Julia Kühweidner, BA
point of origin marketing consulting
Strategic Consultant & consumer intelligence GmbH
Himmelpfortgasse 19, 1010 Wien
www.pointoforigin.at