Igepha - The Austrian Self Care Association


Für eine gesunde
Zukunft

„Think Consumer, think prevention!“

OTC-Markt Experte Nicholas Hall gab bei der Jahrestagung der IGEPHA am 12. Oktober 2017 in Wien spannende Einblicke in die Zukunftstrends des Consumer Health Care-Markts.Nischen bieten Wachstums-Chancen

Hersteller von Consumer Health Care-Produkten bewegen sich in einem stark fragmentierten, außergewöhnlichen Markt. OTC-Markt-Insider Nicholas Hall stellte bei seinem Referat anlässlich der IGEPHA Jahrestagung am 12. Oktober 2017 in Wien Parallelen zur IT-Branche und zum Weinhandel heraus. Ähnlich wie dort hätten auch im OTC-Bereich nicht die „Big Player“ die Nase vorne, sondern vielmehr jene Unternehmen, die flexibel auf neue Bedürfnisse eingingen und Nischen attraktiv besetzten.

Hall beobachtet einen starken Trend in Richtung Prävention. Weltweit seien z. B. Probiotika die am schnellsten wachsende OTC-Kategorie, aber auch Omega 3-Produkte entwickelten sich positiv. In Österreich verzeichneten Vitamin D-Präparate im Zeitraum 2012 bis 2016 eine Wachstumsrate von 43,2 %; der Probiotika-Markt sei im selben Zeitraum um 19,1 % gewachsen.

Deutlich zeichne sich ab, dass allein durch Switches vom rezeptpflichtigen zum rezeptfreien Status kein dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg generiert werden könne, zumal Mitbewerber rasch mit Generika nachzögen. Neue Wege müssen beschritten werden.

Rahmenbedingungen richtig nutzen

Fit für die nächsten Entwicklungsschritte zu sein, bedeutet, die Bedürfnisse und Lebensumstände der Konsumenten zu kennen. Nicholas Hall ortet vier Tendenzen, die geeignet sind, den OTC-Herstellern neue Möglichkeiten zu eröffnen:

  • Drohende Arbeitslosigkeit: Aus Angst um ihren Job sind die Menschen mehr denn je bemüht, nicht durch häufige Krankheitsstände einen Kündigungsgrund zu bieten. „OTG“ heißt die neue Zauberformel – „on the go“! Nur kein Stillstand, immer in Bewegung bleiben. Was das für die OTC-Branche bedeutet? Konsumenten suchen nach Produkten, die sie arbeitsfähig erhalten, ihnen Power und Energie geben und sie vor Erkältungskrankheiten, grippalen Infekten, Rückenschmerzen, Durchfall und ähnlichen Alltagserkrankungen schützen.
  • Demografische Entwicklung: Die Bevölkerung wird immer älter, steht länger im Beruf, bleibt länger aktiv. Die Nachfrage steigt nach solchen Produkten, die Konzentration und Merkfähigkeit verbessern sowie Sehkraft und Hörleistung stärken.
  • Ausgleich eines ungesunden Lebenswandels: Übergewicht und Diabetes, Stress und Schlaflosigkeit, Nikotinabhängigkeit, Alkohol- und Drogenmissbrauch – der weit verbreitete Raubbau an der persönlichen Gesundheit zeigt Folgen. Diese lassen sich durch maßgeschneiderte Produkte ausgleichen. Hier eröffnen sich Chancen für Switches, Nahrungsergänzungsmittel, Diagnostika und Medizinprodukte.
  • Gefahren aus der Umwelt: Luftverschmutzung, Pandemien und Naturkatastrophen bedrohen die Gesundheit, ebenso Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die übermäßige Verwendung von Antibiotika oder Kreuzinfektionen in Spitälern. Was kann die OTC-Industrie für Betroffene tun? Probiotika, Präparate zur Stärkung der Immunkraft und Detox-Produkte helfen den Konsumenten, sich vor Gesundheitsattacken zu schützen.

Frauen als Zielgruppe

Wachstumsverdächtig sind außerdem Produkte, die speziell auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten sind, die sich mit dem Themenkomplex „sexuelle Gesundheit und Spaß am Sex“ befassen oder Lösungen für individuelle Probleme anbieten (z. B. im Bereich unerfüllter Kinderwunsch). Nicholas Hall sieht auch Chancen für innovative Medizinprodukte.

E-Commerce stellt außerdem eine Herausforderung dar, mit der sich die OTC-Hersteller, aber auch die Standort-Apotheken auseinandersetzen müssen – nicht zuletzt, da immer mehr Plattformen wie Amazon in den Gesundheitsmarkt drängen. Parallel dazu liegt es an der Apotheke, ihre Stärken im Bereich „Spezialisierung und Beratung“ deutlicher denn je auszuspielen.

Weltweit unterliegen die Distributionskanäle für rezeptfreie Arzneimittel und Gesundheitsprodukte einem variationsreichen Wandel. Nicholas Hall warnt OTC-Hersteller in diesem Zusammenhang davor, sich blindlings dem Mass Market und den dort dominierenden Ketten auszuliefern. Zwar profitiere die Industrie in Bezug auf ein Volumenwachstum, bei den Gewinnspannen setze der Handel aber die Daumenschrauben an.

Komme es in Österreich zu einer Liberalisierung der Vertriebswege, insbesondere durch Freigabe des Verkaufs rezeptfreier Arzneimittel für Drogeriemärkte, so gelte es, flink zu handeln und sich professionell beraten zu lassen. Halls Botschaft an die Hersteller: „If you are smart, you will go up!“