Igepha - The Austrian Self Care Association


Für eine gesunde
Zukunft

So macht Ihr Kosmetik-Produkt eine gute Figur!

1,6 Milliarden Euro gaben die Österreicher 2016 für Haut- und Körperpflegeprodukte aus. Die Nachfrage nach hochwertiger Kosmetik steigt – auch in der Apotheke. Für die Hersteller ergeben sich aus der verstärkten Nachfrage große Chancen … wenn es denn gelingt, attraktive Produkte rechtskonform zu vermarkten.Wie kommt Ihr Produkt in jedes Badezimmer?

Kosmetik ist ein attraktives Lifestyle-Produkt, das unter Beachtung einiger wesentlicher Rechtsvorschriften für den Verbraucher bereitgestellt werden kann. Zu erfüllen sind vor allem die Bestimmungen der EU-Kosmetikverordnung und der EU-Kosmetik-Claims-Verordnung.

Zusätzlich bieten einige – zwar nicht rechtsverbindliche, aber dennoch überaus hilfreiche – Leitlinien Orientierung.

Definition: Was ist ein kosmetisches Mittel?

Zur Abgrenzung von anderen Produktkategorien lohnt es sich, einen Blick auf die in der EU-Kosmetikverordnung getroffene Definition eines kosmetischen Mittels zu werfen:

Kosmetische Mittel sind demnach „Stoffe oder Gemische, die dazu bestimmt sind, äußerlich mit den Teilen des menschlichen Körpers (Haut, Behaarungssystem, Nägel, Lippen und äußere intime Regionen) oder mit den Zähnen und den Schleimhäuten der Mundhöhle in Berührung zu kommen, und zwar zu dem ausschließlichen oder überwiegenden Zweck, diese zu reinigen, zu parfümieren, ihr Aussehen zu verändern, sie zu schützen, sie in gutem Zustand zu halten oder den Körpergeruch zu beeinflussen.“

Hingegen gelten Produkte, die dazu bestimmt sind, eingenommen, eingeatmet, injiziert oder in den menschlichen Körper implantiert zu werden, nicht als kosmetischen Mittel.

Von der Idee zum Produkt

In Übereinstimmung mit dem europäischen Recht läuft die Entwicklung eines Kosmetikprodukts und dessen Platzierung am Markt in folgenden Schritten ab:

  • Entwicklung der Rezeptur,
  • Sicherheitsbewertung,
  • Gestaltung der Verpackung,
  • Rechtskonforme Kennzeichnung,
  • Herstellung nach Kosmetik-GMP (Good Manufacturing Practices),
  • Notifizierung auf EU-Ebene,
  • Inverkehrbringen sowie
  • Post-Marketing-Überwachung (Cosmetovigilance).

Werbeaussagen – was ist erlaubt?

Die EU-Kosmetikverordnung ist mit Vorgaben zur rechtssicheren Bewerbung von Kosmetikprodukten sparsam. Artikel 20 trifft Aussagen zum Vortäuschungsverbot: Beim Verbraucher darf durch Kennzeichnung und Werbung nicht der Eindruck erweckt werden, das Produkt besitze Merkmale oder Funktionen, die in Wahrheit nicht vorhanden sind.

Klargestellt wird auch, dass die Werbeaussage „keine Tierversuche“ nur erlaubt ist, wenn der Hersteller und seine Zulieferer keine Tierversuche für das Fertigerzeugnis und dessen Bestandteile durchgeführt oder in Auftrag gegeben hat.

Die EU-Kosmetik-Claims-Verordnung legt zudem sechs Kriterien zur Begründung von Werbeaussagen fest:

  • Einhaltung der Rechtsvorschriften,
  • Wahrheitstreue,
  • Belegbarkeit,
  • Redlichkeit,
  • Lauterkeit sowie
  • fundierte Entscheidungsfindung.

Eine Liste ausformulierter Werbeaussagen, wie sie im Rahmen der Health-Claims-Verordnung für Lebensmittel veröffentlicht wurde, existiert für Kosmetikprodukte nicht.

Die Zulässigkeit von Werbeaussagen zu Kosmetikprodukten orientiert sich an einem fiktiven Bild eines „durchschnittlichen Endverbrauchers“, der angemessen gut unterrichtet, aufmerksam und kritisch ist und die Werbeaussage unter Berücksichtigung der sozialen, kulturellen und sprachlichen Faktoren innerhalb des betreffenden Marktes wahrnimmt. Die Wahrnehmung von Aussagen durch einen „durchschnittlichen Endverbraucher“ ist immer länderspezifisch geprägt. Deshalb macht es durchaus Sinn, für unterschiedliche Märkte auch unterschiedliche Werbebotschaften zu formulieren.

Empfehlungen zur rechtskonformen Formulierung von Werbeaussagen zu Kosmetikprodukten enthält das im Juli 2017 veröffentlichte Technical Document on Cosmetic Claims.

Nicht gestattet ist das Werben mit Selbstverständlichkeiten, z. B. mit der Aussage, dass das Produkt den Rechtsvorschriften der EU-Kosmetikverordnung entspricht. Sorgfältig sind auch Aussagen zu Substanzen zu formulieren, die ein Produkt enthält (z. B. Aloe Vera) oder nicht enthält (z. B. Mineralstoffe, Palmöl, Parfüm …). So sollte beispielsweise die Aussage „frei von Konservierungsstoffen“ nur dann verwendet werden, wenn auch keine alternativen konservierenden Stoffe wie z. B. Alkohol enthalten sind.

Kommunikation im Internet – Blogs, Bewertungsportale, Social Media

Längst hat sich die Kommunikation über Produkte verselbstständig: Neben der vom Hersteller gesteuerten und auf der Verpackung sowie in TV und Radio, auf Plakaten und in Printprodukten platzierten Werbung wird auch im Internet ausführlich über Produkte kommuniziert. Für viele Verbraucher sind mittlerweile Beauty Blogs oder andere Social Media-Kanäle zur vertrauenswürdigen Informationsquelle geworden – eine Informationsquelle, die kaum kontrolliert wird, aber über enormen Einfluss auf das Konsumverhalten verfügt.

Wie läuft eine Notifizierung ab?

Spätestens einen Tag vor dem erstmaligen Inverkehrbringen muss ein kosmetisches Produkt im Portal der Europäischen Kommission (Cosmetic Products Notification Portal – CPNP) unter Angabe aller erforderlichen Informationen registriert werden. Ausgenommen von dieser Regelung sind Produkte, die Nanomaterialien enthalten: Diese müssen spätestens sechs Monate vor dem erstmaligen Inverkehrbringen notifiziert werden.

Sicherheit als Basis des Erfolgs

Ein wesentlicher Pfeiler des Kosmetikrechts ist der Wunsch nach sicheren Produkten. Vor deren In-Verkehr-Bringen ist schon deshalb im Kosmetikrecht verankert, dass für jedes Kosmetikum eine Sicherheitsbewertung von einer approbierten Person durchgeführt werden muss. Innerhalb der Lieferkette müssen kosmetische Produkte dann stets identifizierbar sein. Besteht Grund zur Annahme, dass ein Produkt nicht den Anforderungen entspricht oder ein Risiko darstellt, so ist sowohl die gesetzlich vorgeschriebene Verantwortliche Person (eine in der EU ansässige physische oder juristische Person, meist der Hersteller oder der Importeur) als auch der Händler zu Maßnahmen verpflichtet.

Im Rahmen einer wirksamen Marktüberwachung muss die Behörde über ernste unerwünschte Wirkungen informiert werden. Ernst ist eine unerwünschte Wirkung eines kosmetischen Mittels dann, wenn sein Gebrauch zu einer vorübergehenden oder dauerhaften Funktionseinschränkung, Behinderung, einem Krankenhausaufenthalt, angeborenen Anomalien, unmittelbarer Lebensgefahr oder zum Tod führt.

Im Rahmen der Kosmetovigilanz müssen zudem Spontanmeldungen über unerwünschte Wirkungen gesammelt, bewertet und überwacht werden, die während oder nach normalem oder vernünftigerweise vorhersehbarem Gebrauch eines kosmetischen Mittels beobachtet werden.

Relevanz am Markt

In der Apotheke stellen Produkte zur Körperpflege und Kosmetik eine wesentliche Umsatz- und Ertragsquelle dar. Laut IQVia werden in Deutschland rund neun Prozent des gesamten Marktvolumens für Kosmetik- und Körperpflegeprodukte in Apotheken und Versandapotheken umgesetzt – die Zahlen für Österreich sehen vermutlich ähnlich aus.

IQVia hat im Sommer 2017 auch Zahlen zur Verteilung des Kosmetiksegments in der Apotheke veröffentlicht: Demnach entfallen 17 % des Umsatzes auf Spezialpräparate wie Anti-Ageing-Produkte, Anti-Falten-Produkte und Produkte zur Pflege der Problemhaut), 12 % auf die Gesichtspflege, jeweils 9 % auf die Körperpflege für die Familie und die Spezialhaarpflege, 6 % auf Sonnenschutzmittel und 48 % auf eine Vielzahl anderer Gruppen. 2016 lag das größte Umsatzwachstum bei Insektenschutzmitteln sowie bei Produkten zur Pflege von Augen, Haaren und Nägeln.

(Zahlen für Deutschland, Quelle: https://www.iqvia.com/-/media/iqvia/pdfs/cese/germany/infografik/apothekenkosmetik-infografik-082017.pdf?la=de-de&hash=FB1F20C05CB6D9D193AB1751D79D773ED49470A6&_=1511514016736)