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Für eine gesunde
Zukunft

Versandapotheken: Kleine Player tun sich schwer

Online-Handel von Apotheken moderat steigend

Der Kommerzialisierungsexperte für den Gesundheitsbereich IQVIA (ehem. QuintilesIMS) liefert die wichtigsten Daten zum Online-Versandhandel österreichischer Apotheken. Gängige Blockbuster wie Erkältungspräparate, Schmerzmittel und Vitamine dominieren den Warenkorb. Kleine Anbieter geraten durch den Preiskampf unter Druck.

Der Umsatz über den Apothekenversandhandel betrug 2016 in Österreich 5 % des Gesamtumsatzes, der bei etwa 40 Mio. Euro liegt. Dieser Wert ist weiterhin im Steigen begriffen und stellt damit eine Herausforderung für Marktteilnehmer ohne Versandhandel dar. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Anteil am Gesamtumsatz bei 12 bis 13 %.

Blockbuster vor Diskretion

Die drei umsatzstärksten OTC-Klassen im Apothekenversandhandel waren 2016 in Österreich in dieser Reihenfolge: Husten- und Erkältungsmittel, Schmerz- und Rheumamittel und Vitamin-/Mineralstoffe und Nahrungsmittelzusätze – also Bereiche, in denen Produkte mit hoher Markenbekanntheit und entsprechend hohem Anteil an Endkonsumentenwerbung zu finden sind. Aber auch Produkte, die einer Dauerverwendung unterliegen oder bei denen nach einer Erstberatung die Folgekäufe gerne online getätigt werden, wie etwa Femibion® Schwangerschaftsvitamine, werden immer öfter bequem über das Internet gekauft.

Nach wie vor rangierten 2016 auch Produkte, die gerne anonym gekauft werden, unter den Top 40 im Versandhandel – etwa der Schwangerschaftstest Clearblue® auf Platz 38. Ein weiteres Beispiel sind Tena® Pants (Erwachsenenwindeln). Hier spielt angesichts der Packungsgröße und fallweise eingeschränkten Mobilität der Endkonsumenten auch der logistische Aspekt der bequemen Zustellung per Post eine wesentliche Rolle. In den Top 100 findet sich mit Orlistat Hexal® auch ein Produkt zur Gewichtsreduktion mit dem gleichen Wirkstoff wie das rezeptpflichtige Xenical®. In der Vergangenheit wurde dieses Präparat oftmals über illegale Anbieter online bezogen. Auch hier liegt nahe, dass die hohe Nachfrage der anonymen Verkaufssituation im Internet geschuldet ist.

Eine Frage des Umfangs

Während heimische Apotheken erst seit Juni 2015 rezeptfreie Arzneimittel (OTC-Produkte) innerhalb Österreichs über das Internet verkaufen dürfen, ist dies in Deutschland bereits seit 2004 erlaubt. In diesem Zeitraum haben sich im Nachbarland große Anbieter etabliert. Aber auch Versandhandelsapotheken mit Sitz in Tschechien, den Niederlanden und der Slowakei haben schon vor der Genehmigung des Versandhandels in Österreich die heimischen Endkonsumenten beliefert. Damit bestand für österreichische Anbieter bereits beim Start 2015 eine hohe Markteintrittsbarriere.

Im Ausland operierende Versandapotheken kosten die heimischen stationären Apotheken Umsatz. Die erforderlichen Voraussetzungen für einen wirtschaftlich sinnvollen Betrieb eines Online-Handels stellen für viele Apotheker jedoch eine große Hürde dar. Kleine Versandapotheken können im Preiswettkampf oftmals nicht mithalten. Zur Amortisation von Investitionen in Logistikflächen und Know-how bedarf es eines hohen Bestellvolumens. Deshalb sind nur wenige heimische Apotheken in der Lage, im großen Stil Versandhandel zu betreiben. Aktuell sind laut AGES Medizinmarktaufsicht lediglich 45 von 1.352 österreichischen Apotheken als Betreiber von Fernabsatz beim Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen gelistet. Das entspricht zwar einem Wachstum von 125 % im Vergleich zum Start 2015. Zu diesem Zeitpunkt meldeten sich zunächst nur 20 österreichische Apotheken für den Onlineversand an. Doch insgesamt entspricht die heutige Zahl nur 3,3 % aller Apotheken in Österreich. Es gilt zu beobachten, wie sich dieser Wert weiterentwickelt und wie viele Teilnehmer sich langfristig im Markt etablieren können.

Trend zur Marktkonzentration

Grundsätzlich wird die Kombination aus Ladenlokal und Onlineshop als zukunftsträchtiges Modell im Handel gesehen. Stationäre Apotheken können ohne rechtliche Hürden in das Onlinegeschäft einsteigen. Vice versa ist es für bestehende Internetapotheken innerhalb der gesetzlichen Vorgaben nur eingeschränkt möglich, ein Ladenlokal zu eröffnen.

IQVIA befürchtet, dass durch das Aushungern kleinerer Player eine ähnliche Entwicklung wie in Deutschland zu beobachten sein wird. Dort zeichnet sich laut der deutschen Statista GmbH ein zunehmender Konzentrationsprozess ab, bei dem nur wenige große Marktteilnehmer bestehen können. So konnten viele Apotheken, die früh in den Markt eingetreten sind, ihren „first mover advantage“ nicht nutzen und wurden von großen Mitbewerbern verdrängt. Fragwürdige Absatzsteigerungen durch aggressives Pricing und Werbemaßnahmen der Versandapotheken (etwa Rabatte auf Produkte wie Schmerzmittel) erhöhen die Gefahr von OTC-Medikamentenmissbrauch. IQVIA betont außerdem die Gefahr eines möglichen Überkonsums durch Großpackungen und Mindestbestellmengen.